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Infos zur Aconcaguaexpedition 2007-2008

Am 25.12.2007 starten wir zu neunt am Frankfurter Flughafen nach Mendoza in Argentinien. Nachdem dort das Permit und Lebensmittel besorgt wurden ging es mit dem Bus nach Penitentes.

 

Ein Teil der Gruppe bei der Abfahrt am Ulmer Hauptbahnhof 

 

Das Gepäck wurde für den Mulitransport hergerichtet und am 28.12. ging es zum Ausgangspunkt Punta de Vacas auf 2415 m. In Etappen ging es zuerst 14 km nach Pampa de Lenas auf 2864 m. Am nächsten Tag weiter am Rio Vacas nach Casa de Piedra auf 3245 m (17 km). Danach geht es am Rio Relinchos entlang über eine Steilstufe zum Basislager Plaza Argentina auf 4200 m (11 km). An Silvester wurde ein Ruhetag eingelegt und dabei die Umgebung erkundet. An Neujahr wurde zur Akklimatisation der Cerro Colorado mit 4858 m bestiegen. Das Wetter ist schön, sonnig und warm, so dass das Frühstück im Freien eingenommen werden konnte. Der nächste Tag wurde genutzt einen Teil des Gepäcks auf Lager 1 auf 5000 m hinaufzutragen und zu deponieren. Am 3.1. stieg die Gruppe mit dem restlichen Gepäck hinauf auf das Lager 1. Darauf folgte wieder ein Ruhetag. Am 5.1. versuchten die Teilnehmer den 5917 m hohen Cerro Ameghino zu besteigen, wegen unwegsamer Route wurde abgebrochen.

 Am 6.1. musste jeder seinen 20-30 kg schweren Rucksack auf das Lager 2 auf 5950m hinauftragen. Nachdem die Wettervorhersage für die nächsten 2 Tage gutes Wetter vorhergesagt hatte, wurde beschlossen, gleich am 7.1. einen Besteigungsversuch auf den Aconcagua zu machen. Ein Teil der  Gruppe begann den Aufstieg über die falsche Polenroute. Bei Tagesanbruch wurden alle durch eine Wetterverschlechterung mit drohender Wolkenfront mit Sturm von Chile her überrascht. Alle Bergsteiger, die bereits in der Wand waren kehrten um, da bei einer Windstärke von 70-100 km und gefühlte Temperaturen bis Minus 45 Grad keine Gipfelbesteigung möglich ist. Eiligst wurde das Lager 2, das ungeschützt auf einem Sattel lag,  geräumt und das ganze Gepäck in das etwas vom Wind geschützte Lager 1 transportiert. Ein Teil der Gruppe stieg gleich noch weiter zum Basislager ab. Am 8.1. stiegen 3 der Gruppe nochmals bei stürmischem Wind auf den Cerro Ameghino. Über sehr brüchige Kletterstellen fand die Gruppe hinauf auf den Gipfel der selten erstiegen wird. Da für die nächsten Tage immer noch stürmisches Wetter gemeldet wurde, stiegen 7 Teilnehmer in einem anstrengenden 42 km Marsch zurück in die Zivilisation. Der anhaltende Sturm und das Abwarten auf Wetterbesserung und der mühevolle Gepäcktransport in dieser Höhe zehrten zu sehr an den Kräften. Christian und Silke harrten weiter auf Lager 1.auf Wetterbesserung. Der Sturm zerfetzte in dieser Höhe einige Zelte anderer Gruppen und nagte sehr an den Nerven. Am Samstag 12.1. war es dann endlich soweit. Der kräftige Sturm ließ  langsam nach. Da wagten sie noch spät den Aufstieg  über die falsche Polenroute, da die geplante Polenroute durch die Kälte nicht begehbar war. Glücklich erreichten Sie gegen 17:00 Uhr den 6963m hohen Aconcagua bei windstille ! Der Abstieg erfolgte auf gleicher Route bis zum Lager 2 . Am 13.1. stiegen sie wieder hinunter ins Basislager. Danach erfolgt der weitere Abstieg hinaus aus dem Tal nach Punta de Vacas.

 


17.01.2008
Silke und Christian haben uns einen Bericht mit Bildern über den bisherigen Verlauf der Expedition geschickt.



Abflug in Frankfurt 25.12.2007

 

Am 26.12.2007 kommen Norbert, Hermann, Kerstin, Christian und Silke am Nachmittag in Mendoza an. Mit dem ganzen Gepäck benötigen wir 3 Taxis um in unser Hotel in der Stadtmitte zu kommen. Dort angekommen ziehen wir erst mal los um das Benzin für die ganze Mannschaft zu besorgen. Der Rest der Gruppe (Patrick, Jutta, Simon und Christian) hatte den Flug später gebucht und kommt gegen Abend in Mendoza an. Als alle vereint sind gehen wir deftig Steaks essen in einem "all you can eat" Restaurant. So gestärkt können wir am nächsten Tag unsere Permits beantragen, unsere Einkäufe tätigen und werden um 15 Uhr von einem kleinen Bus abgeholt und nach Penitentes gebracht. Dort packen wir unsere Siebensachen für den Mulitransport. Ein Teil des Gepäcks geht direkt ins Basislager, der Rest wird mit den Mulis bis ins Lager des jeweiligen Tages gebracht.

Am 28.12.2007 geht es in Punta de Vacas los: 14 km und 400 Höhenmeter müssen bis Pampa de Leñas, am Eingang des Aconcagua Nationalparks, zurückgelegt werden. Gleich am Anfang sehen wir Condore und ein Guanaco, welch ein Glück. Während des Tages wird es ziemlich heiß und Christian bekommt Probleme, er hatte schon Durchfall und hat abends 39 Grad Fieber. Hermann, unser Medizinmann, verordnet ihm Antibiotika und am Morgen geht es ihm schon wieder viel besser und er kann fast wie sonst voraus laufen. Dieses Jahr ist die Brücke nach dem Lager zum Glück wieder vorhanden, denn auf dem normalen Weg kommt man viel schneller vorwärts. Die 17 km bis Casa de Piedra brennt die Sonne gnadenlos auf uns herab, aber wir kommen schnell vorwärts und sind am frühen Nachmittag im Lager. Dort weht wieder ein heftiger Wind, ist scheinbar dort normal, aber unsere Zelte stehen schnell. Die beste Stelle für die Flussüberquerung ist bald gefunden, es hat deutlich weniger Wasser als letztes Jahr und es muss nur ein Flussarm überquert werden. Von 3200 m geht es am nächsten Tag um 1000 m höher nach Plaza Argentina, das Basislager für unsere Route. Früh morgens um 7:30 Uhr sind wir startklar, da die Mulitreiber das Gepäck sehr früh haben wollen. Alle bis auf Christian, Simon und mich wollen ursprünglich mit Mulis über den Bach, als es aber soweit ist gehen doch alle mit kneippen. Das Wasser ist eisig kalt, aber die Füße werden gleich wieder warm und es kommt auch bald die Sonne zum Vorschein. Nach dem Steilaufschwung und der letzten Flussdurchquerung gibt es eine gemütliche Pause. Das letzte Stück zieht sich dann noch mal, aber ein Teil der Gruppe ist schon voraus und hat gute Zeltplätze reserviert. Die einzelnen Zelte sind gleich aufgebaut, aber für unser gemeinsames Basislagerzelt müssen wir mit vereinten Kräften erst mal eine Plattform verbreitern. Mit Spitzhacke, Spaten und Rechen gehen wir ans Werk und nach einigen Mühen können wir das Zelt aufstellen und gleich zum Kochen beziehen.

 


Start ins Vacas Tal zu Pampa de Lenas 28.12.2007

 


Letzte Anmarschetappe ins Basislager mit Blick auf Cerro Aconcagua und Ameghino 30.12.2007



Erdarbeiten im Basislager auf 4200m für das Basislagerzelt 30.12.2007

 

31.12.2007
Heute an Silvester ist Ruhetag. Der Morgen beginnt gemütlich und relaxed, bevor die Sonne auf das Zelt scheint geht keiner aus dem Schlafsack. Den meisten geht es einigermaßen gut, leichtes Kopfweh und verstopfte Nasen sind die üblichen Wehwehchen. Am Nachmittag wandern Christian und ich gemütlich Richtung Cerro Colorado (4665 m). Mit vielen Pausen und sehr gemütlichem Tempo kommen wir oben auf dem Gipfel an. Wir werden von einer wunderbaren Aussicht auf die Südwand des Aconcagua und die umliegenden Berge belohnt. Den obersten Punkt erreichen wir durch kurze Kletterei und rittlings sitzen wir auf dem Gipfel. Wir machen eine ganze Stunde Pause und laufen anschließend den Kamm entlang an einigen Penitentes vorbei und fahren bis zum Tal einen Schutthang ab. Der Rest der Gruppe will morgen unbedingt schon Sachen ins Camp 1 hochbringen und hat schon alles gepackt. Christian und ich haben uns dagegen entschieden, wir wollen noch einen Ruhetag einlegen, da Christian immer noch ziemliches Kopfweh hat. Nachdem wir den anderen vom Colorado mit der tollen Aussicht vorgeschwärmt haben entscheiden sie sich auch um. Am Abend gehen alle zum Arzt um sich untersuchen zu lassen. Bei mir ist alles in Ordnung, Christian hat eine relativ geringe Sauerstoffsättigung und soll morgen früh noch mal zum Doc.

01.01.2008
Neujahr: in der Nacht gab es kleine Böller, allerdings keine Feuerwerkskörper, sondern explodierende Gaskartuschen. Eine richtige Party war für uns wegen der geringen Akklimatisierung noch nicht drin. Am morgen hat Christian immer noch starke Kopfschmerzen, welche er auch nicht mit Tabletten in den Griff bekommt. Jutta behandelt seinen Nacken, danach fühlt er sich besser. Während die anderen den Cerro Colorado besteigen, legen wir (Christian und ich) einen Ruhetag ein. Lediglich unsere Sachen für Camp 1 werden gepackt. Die anderen “Sieben” kommen begeistert von der erfolgreichen Besteigung zurück. Christian muss am Abend wieder zum Arzt. Ihm geht es immer noch nicht besser. Der Arzt empfiehlt ihm Diamox für eine bessere Höhenanpassung zu nehmen. Er darf auf keinen Fall aufsteigen.

02.01.2008
Am nächsten Morgen stehen wir auf als die Sonne auf unser Zelt scheint. Bevor wir losgehen geht Christian wieder einmal zum Arzt. Die Schlappheit, Kopfschmerzen und etwas Husten zeigen keine Besserung. Der Arzt hört auf der Lunge leichte Geräusche und gibt ihm Diamox; am Abend muss er wieder vorbei schauen. Bei uns “Acht” geht es jetzt los; Patrick und Jutta sind schon eine halbe Stunde voraus als der Rest startet. Ganz langsam setzt sich unsere Karawane in Bewegung und es geht den schuttbedeckten Gletscher hinauf. Der Weg schlängelt und windet sich in vielen Kurven und Kehren langsam in die Höhe. Da die Steigung moderat, ist fällt es trotz voll gepacktem Rucksack nicht so schwer. Nach 250hm machen wir eine kurze Pause, es geht allen gut. Oft queren oder laufen wir an riesigen Penitentesfeldern vorbei. Bei manchen sind die äußersten Spitzen total filigran; auf einem liegt ein riesiger Stein. Von den Moränenhügeln hat man einen guten Blick auf die Polengletscherroute. In den Vertiefungen der Moräne oder besser des Gletschers finden sich kleine Seen oder aber Eisabbrüche. Ab 4700m merke ich langsam die Höhe. Die letzten 100m zum Lager 1 geht es einen ekligen Schutthang hinauf, der einem den Rest gibt. Patrick, Norbert und die anderen haben nahe beieinander liegende gute Zeltplätze gefunden. wir deponieren unsere Sachen, ruhen noch ein bisschen aus, trinken. Innerhalb von 1,5h sind wir wieder im Basislager. Leider geht es Christian gar nicht gut. Hermann und ich begleiten ihn zum Arzt. Dieser stellt ein leichtes Höhenlungenödem fest, bei dieser Indikation wird man normalerweise sofort ausgeflogen. Christian will die Nacht noch im Basislager verbringen und abwarten, ob die Diamox Tabletten helfen. Ein ziemlicher Mist. Ich überlege schon, wie wir die Sachen wieder rausbringen. Die Nacht verläuft jedoch gut.

03.01.2008, unser 7. Tag am Berg. Morgens um 4:30 Uhr kommt der Medico-Mann ins Zelt zum Hausbesuch und untersucht Christian. Ihm geht es deutlich besser und es sind keine Geräusche mehr auf der Lunge zu hören. Er kann Gott sei Dank bleiben, soll aber noch nicht höher. Es scheint als wäre die Krankheit langsam besiegt und der Körper kann sich auf die Höhenanpassung konzentrieren. Wir legen also nochmal einen Ruhetag ein, während die anderen ihre Zelte abbauen und mit schweren Rucksäcken ins Camp 1 umziehen. Nach dem Antrittsbesuch beim neuen Arzt bekommt Christian den Auftrag mehr als 5 Liter zu trinken. Nachdem die anderen “Sieben” weg sind nutzen wir den Ruhetag als Waschtag für Körper und Klamotten. Nach einer Woche nur groben waschens und staubigen Klamotten ist das wirklich eine Wohltat. Danach sortieren wir unsere Sachen für einen Aufstieg ins Camp 1. Der Arzt ist am Abend mit den Werten zufrieden und gibt auch grünes Licht.

04.01.2008
Wir Frühstücken genüsslich in der Sonne. Christian geht es sehr gut. wir wollten ursprünglich ein Zwischencamp auf 4600m machen; als wir dort ankommen fühlt sich Christian aber so gut, dass wir weiter zu Camp 1 auf 4980m aufsteigen. Mich schlaucht heute mein schwerer Rucksack sehr, aber nach 4h haben wir es geschafft und sind oben in Camp 1 angekommen. Die anderen liegen gerade faul in der Sonne und sind froh, dass es Christian wieder so gut geht. Sie waren heute im Ameghino Col und teilweise sogar weiter oben, haben dann aber wieder umgedreht. Es geht allen gut, bis auf Kerstin, deren Husten noch immer nicht besser ist und deren Magen und Darm etwas rebelliert. Wir beziehen unser neues Domizil und kochen unser Abendessen, dann geht’s ab ins Zelt.

 



Lagerleben in Camp 1 auf 5000 m 04.01.2008

 

05.01.2008
Da heute alle einen Ruhetag einlegen beginnt der Tag als die Sonne langsam das Zelt erwärmt. Kaum zu glauben, dass man auf 5000m sobald die Sonne draußen ist, nur in langer Unterwäsche frühstücken kann. Nur der Wind verlangt ab und zu die leichte Daunenjacke. Wir verbringen den Tag mit faulenzen, aber am Nachmittag wollen wir noch ein bisschen höher und gehen nur mit Kamera und leichten Klamotten gemütlich in den Collado Ameghino auf 5300m. Hier finden sich einige Schwefelablagerungen und der Blick geht rüber bis zum Mercedario. Eine wunderschöne Landschaft. Etwas oberhalb haben wir den Blick direkt in die Polengletscherroute. Im unteren Bereich ist in der direkten Polenroute eine Spur zu erkennen, oben hängen allerdings Wolken. Es ist schon eine mächtig hohe Wand, die da vor uns liegt. Die Aussicht auf den direkten Weg ist verlockend, denkt man an die lange Querung und an die lange mühselige Canaletta der falschen Polenroute. Mir ist aber auch mulmig zumute, da ein Umkehren in der Polengletscherroute nicht möglich ist. Wir steigen recht schnell über einen Geröllhang ab zu Camp 1, kochen uns was Gutes und sitzen mit unseren dicken Daunenjacken und den warmen Überhosen noch gemütlich zusammen. Der Wetterbericht sagt an den nächsten 3-4 Tagen gutes Wetter mit 30-40km/h Wind voraus, dann soll es schlechter werden. Frieda versorgt uns immer perfekt per SMS über das Satellitentelefon mit dem aktuellen Wetter. Unser Beschluss steht fest, morgen geht es auf Camp 2. Während wir nur die Kletterausrüstung dort deponieren wollen, möchten die anderen Sieben gleich ihr komplettes Lager dorthin verlegen.



Jutta vor Camp2 auf 5700m 06.01.2008

 

06.01.2008
Unser komplettes Kletterzeug zusammen mit den dicken Daunenjacken, Überhose und Fäustlingen verstauen wir im Kletterrucksack. Gegen 11:30 Uhr starten wir endlich nach oben. Wir kommen sehr zügig voran. Bei den anderen läuft es heute leider nicht so toll. Norbert fühlt sich nicht sehr fit und quält sich mit seinem sehr schweren Rucksack langsam, dafür ehrgeizig Richtung Camp 2. Christian Ackermann dreht wegen Magen- und Kreislaufproblemen um. Hermann und Kerstin müssen sich auch richtig quälen. Bei Patrick, Jutta und Simon sowie Christian und mir läuft es für die Höhe richtig gut. Bisher waren Norbert und Christian Ackermann mit die Fittesten in der Gruppe und jetzt wo es langsam ernst wird streikt der Körper. In der Höhe kann man sich einfach nie sicher sein, was als Nächstes passiert. Ein bisschen Glück muss man da einfach haben.
Der letzte Rest zu Camp 2 zieht sich gewaltig in die Länge. Hier müssen wir das erste Mal länger im Schnee gehen. Der schottrige Sand danach gibt bei jedem Schritt nach. Da man hier die Höhe schon ordentlich spürt ist das wirklich anstrengend. Dann haben wir es geschafft: Camp 2 auf 5850m ist erreicht. Es weht ein frisches Lüftchen und wir schlüpfen in die dicken Daunenjacken. Mit guten Zeltplätzen ist es hier schwierig. Wenn sie flach sind, steht meist Wasser drin, der Rest ist steinig und bucklig. Hier liegt auch mehr Müll herum. Die Ausscheidungen werden hier oben anscheinend meist nicht, wie vorgeschrieben, in die Shitbags gepackt. So gibt es auf Camp 2 kaum mehr “unschuldige Steine”. Christian läuft nochmal etwas hinunter, den anderen entgegen und hilft beim Rucksacktragen. Da Christian Ackermann mit dem Zelt wieder in Camp 1 zurückgekehrt ist, wird Simon bei Patrick und Jutta ins Marmot-Zelt einquartiert. Das ebnen der Zeltplätze in dieser Höhe strengt enorm an. Davor der harte Aufstieg, so liegen bei den meisten die Nerven blank und man ist wenig lustig. Nachdem alle Zelte stehen gehen Christian und ich wieder hinunter zu Christian Ackermann in Camp 1. Für den nächsten Tag ist ein kompletter Ruhetag zur Erholung von den Strapazen vorgesehen, um am übernächsten Tag den Gipfel zu erstürmen. - Aber es kommt alles anders!
fDen Abstieg von Camp 2 zu Christian Ackermann in Camp 1 schaffen wir in unter 40 min. Man fühlt richtig wie sich die Lungen wieder über mehr Sauerstoff freuen. Christian Ackermann hat uns im Abstieg erspäht und gleich heißes Wasser aufgesetzt. Ihm geht es auch wieder besser. Wir haben die Hoffnung das er nach dem Ruhetag direkt mit uns von Camp 1 zum Gipfel kann.
Der heutige Tag ist merklich kühler als die Tage zuvor.

07.01.2008
In der Nacht gab es lange Zeit heftiges Wetterleuchten in Richtung Osten. Am Morgen bereite ich gerade das Frühstück zu, Christian schlummert noch im Schlafsack vor sich hin, da taucht auf einmal Simon auf. Mit dem hatte ich ja überhaupt nicht gerechnet. Die sechs auf Camp 2 hatten sich umentschieden und wollten doch gleich heute um 5 Uhr auf den Gipfel. Aufgrund der Verhältnisse mit Wind und Wolken mussten sie jedoch bald wieder umdrehen. Dort oben war ziemliches Chaos. Hermann hatte vergessen das Essen für sich und Kersting einzupacken und Christian Ackermann hatte den Liter Sprit für Patrick, Jutta und Simon wieder mit nach unten genommen. Kurz nach Simon treffen auch Patrick und Jutta ein und einige Zeit später trudeln auch Hermann, Norbert und Kerstin ein. Die drei wollen ihre Sachen zusammenpacken und gleich weiter ins Basislager absteigen. Mit vereinten Mühen können sie alles in und auf ihren Rucksäcken verstauen. Wir nehmen ihnen noch zwei Travellunches ab und der Sprit bleibt auch da. Christian Ackermann, Simon, Patrick und Jutta übernachten noch mal im Camp 1, denn wir wollen wenigstens noch auf den Ameghino. Man merkt, dass das Wetter schlechter wird, es hat deutlich mehr Wind als sonst, er bläst jetzt auch aus Richtung Chile und nicht aus dem argentisnischen Festland. Sonnig ist es aber den ganzen Tag.

08.01.2008
Beim Frühstücken stellt sich heraus, dass es Christian Ackermann nicht ganz so gut geht und auch Patrick und Jutta wollen gleich absteigen. D.h. nur Simon, Christian und ich brechen zum Ameghino auf. Mit leichtem Gepäck, aber warm angezogen starten wir. Christian spurtet für meine Verhältnisse fast den Berg hoch bis in den Col. Simon und ich gehen etwas langsamer hinterher. Nach einer kurzen, da sehr windigen Pause laufen wir weiter zum kleinen gelb-grünen See in der Senke zum Ameghino. Hier beginnt die Plagerei den Schotterhang hoch. Obwohl immer wieder Wegspuren auftauchen muss man sich den Weg meist selbst suchen. Aber Christian hat auch in den felsigeren Passagen ein Gespür für den richtigen Weg. In einer kleinen Kuhle, etwas geschützt vom immer heftiger werdenden Wind, ziehen wir uns wärmer an. Simon packt seine dicke Daunenjacke aus und legt seine Gesichtsmaske an. Hier sind Ir auf 5770 m und zum Gipfel sind es nur noch 200 hm; die haben es allerdings, mit leichter Kletterei in äußerst brüchigem Gestein, in sich. Gut dass der böige Wind manchmal von den Felsen abgehalten wird und man zum Verschnaufen kommt. Die letzten Meter zum Gipfel gehen wir gemeinsam hoch. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir sehen das Guanacos Tal und zahlreiche Gletscherbedeckte Berge, die daraus aufsteigen. Der Mercedario steht im Norden und im Süden müsste der Tupungato zu sehen sein. Der Aconcagua mit dem mächtigen Polengletscher überragt uns immer noch um 1000 m. Der Gipfel des Ameghino besteht wie der ganze Berg selber nur aus Schotter und ist 5950 m hoch. Nach ausgiebigem Fotoshooting machen wir uns wieder an den Abstieg, der viel leichter geht als angenommen. Aber so einfach ist der Weg nicht zu finden und zwei mal befragen wir zur Sicherheit das GPS, ob wir richtig sind. Nach 6,5h erreichen wir glücklich und zufrieden Camp 1 und schlachten unsere letzte Salami und den Käse. Anschließend helfen wir Simon beim Packen und eine Stunde später sind wir die einzigen unserer kleinen Gruppe, die das kommende schlechte Wetter abwarten wollen. Während Simon alleine ins Basislager absteigt, haben die anderen in seiner Gruppe den Abtransport des Gepäcks via Muli organisiert. Er kommt müde aber gesund unten an.
Die Nacht bei uns oben ist schon etwas stürmisch, immer wieder erschüttern Böen unser Zelt und es ist merklich kälter geworden.

09.01.2008
Der erste Tag an dem wir alleine sind. Wir wachen erst um 8:30 Uhr auf und frühstücken im Zelt, da es draußen zu stürmisch ist. Christian hat den Kocher im Windschutz des Zeltes so aufgebaut, dass er vom Zelt aus kochen kann. Die Gruppe neben uns von Aymara bricht zu Camp 2 auf, wir können das nicht verstehen. Bei dem Wind die Zelte auf Camp 2 aufzubauen wird bestimmt kein Zuckerschlecken werden. Wir lümmeln den ganzen Tag im Zelt rum. Gegen Mittag reißt eine besonders heftige Böe ein Mountain Hardware Zelt (Trango 3.1) der französischen Gruppe weg. Es verfängt sich gerade noch an der Klomauer vor dem Abhang. Die Franzosen haben sich mit zig-Mann darauf gestürzt, wir ziehen unsere Schuhe an und helfen ihnen. Das davongeflogene Zelt ist ziemlich beschädigt, mindestens ein Gestängebogen ist zerbrochen und an vielen Stellen ist das Außenzelt eingerissen. Christian rettet einen Sack und ein T-Shirt vom Abhang. Auch zwei andere Mountain Hardware Zelte stehen wackelig und müssen mit mehreren Leuten festgehalten werden. Bei einem ist schon das Außenzelt mit einigen Rissen beschädigt. Der enorme Sturm lässt kaum ein Arbeiten an den Zelten zu. Nach mehreren Stunden haben die Franzosen die Zelte abgebaut und an einer windgeschützteren Stelle wieder aufgebaut. Selten habe ich so viele Menschen an so sturmstabilen Zelten arbeiten sehen. Unser Zelt ist dem Wind auch ausgeliefert, aber es steht wirklich bombenfest. Großes Lob an Exped und die Polaris Konstruktion. Wir haben gerade mal 6 Abspannpunkte genutzt und müssen keine Angst davor haben, dass es im Sturm wegfliegt. Durch die Einwandkonstruktion hält sich auch das Innengeräusch in Grenzen. Nachmittags kommt einer aus der französischen Gruppe vorbei, bedankt sich nochmal für die Hilfe und überreicht uns eine Tafel Lindt-Schokolade, extra cremig. Total nett! Von Frieda bekommen wir mit, dass die restliche 7-er Gruppe vom Basislager in einem Tag nach Penitentes abgestiegen ist. Das sind stolze 42km steiniges Gelände mit 2000 HM im Abstieg. Anscheinend laufen die 7 nach dieser Tortour wie auf rohen Eiern. Dafür haben sie jetzt Urlaub und können die geschundenen Körper im warmen ausruhen und die fehlenden kg mit guten argentinischen Steaks wieder auf die Rippen bringen.
Wir sind trotz der inzwischen sehr guten Akklimatisierung beide etwas kurzatmig. Unser Zelt knattert im Sturm, dabei schlafen wir ein.

10.01.2008
In der Nacht hat der Sturm etwas nachgelassen, eine angenehme Ruhe. Da kann man auch mal wieder raus aufs Klo. Einige werden das zwar lustig finden, aber wenn man dringend sein Geschäft erledigen muss, in eine Tüte, bei Sturm, ohne dass das Toilettenpapier unkontrolliert wegfliegt und das mit nur zwei Händen: Ein Ding der Unmöglichkeit!
Zudem hat es weiter abgekühlt. Von Camp 2 kommen einige Gruppen herunter, denen der Sturm sehr zugesetzt hat. Es müssen dort oben auch Zelte kaputtgegangen sein. Die Leute sehen mitgenommen aus. Mittags frischt der Wind wieder auf und es stürmt wie am Tag zuvor. Gegen Mittag ziehen dichte Wolken auf, es ist stark bewölkt, wenig Sicht. Am Nachmittag fängt es sogar zu schneien an. Eigentlich soll ja morgen unser Gipfeltag sein, mit gutem Wetter. Da wir es kaum glauben können rufen wir Frieda nochmal über das Satellitentelefon an, aber laut Wetterbericht ist es morgen gut. Unsere Nerven sind vom langen Warten im engen Zelt auch nicht mehr die Besten. Man wird einfach ungeduldig und will es hinter sich haben. Nur gut das wir nicht in Camp 2 sind. Dort ist man dem Wind noch viel ausgesetzter und die Temperaturen sind auch wesentlich niedriger. Durch viel Glück haben wir es auch geschafft, das Satellitentelefon mit Ali's selbstgebauten Batteriepack zu laden. Das Ding hatte immer wieder leichte Kontaktschwierigkeiten. wir haben für uns eine Entscheidung getroffen: Entweder ist das Wetter morgen gut, so dass wir auf den Gipfel können oder wir schlafen aus, holen den Rucksack von Camp 2 und steigen ab. Es ist gut wenn ein Ende absehbar ist. Wir sind jetzt immerhin schon 6 Tage in Camp 1; die anderen sind in Mendoza in der Sonne und schlafen im weichen Bett, müssen nicht mal mehr in Tüten machen. Neid!

11.01.2008
Um 3:30 Uhr klingelt der Wecker, es hat bis jetzt gestürmt, momentan ist es zwar ruhig, aber wir trauen dem Wetter nicht. Da wir auch nicht gut geschlafen haben drehen wir uns wieder um und schlafen aus. Das war die richtige Entscheidung, denn der Wind frischt auf und es stürmt erneut. Das wäre nichts gewesen für den Gipfel. Am Vormittag lässt der Wind nach und das Wetter bessert sich. Wir setzen alles auf eine Karte, bauen unser Zelt ab und verlegen unser Lager auf 5500m zum “Col Estefan”. Die Essensvorräte lassen kein längeres Warten mehr zu. Der Aufstieg zum Col fällt uns nicht leicht. Wir haben einiges an Gewicht verloren und fühlen uns schlapp. Wahrscheinlich sind wir einfach schon zu lange auf großer Höhe. Wir bauen neben einer Schweizer Gruppe unser Zelt auf und genießen den Nachmittag, gehen bald ins Bett.

12.01.2008
Unser 16. Tag abseits der Zivilisation – unser Gipfeltag – hoffentlich. Diesmal klingelt der Wecker erst um 5:00 Uhr; die Schweizer sind schon einige Stunden vor uns losgezogen. Wir ziehen alle verfügbaren Schichten an, da es ziemlich kalt ist. Gegen 5:30 Uhr starten wir im dunkeln vom Zelt Richtung Camp 2. Obwohl geringer Wind vorhergesagt ist, bläst es ziemlich und als wir nach 1,5 h Camp 2 erreichen sind wir total durchgefroren. Wir suchen unseren deponierten Kletterrucksack mit den warmen Klamotten und pausieren unter unserem Tarp, welches im Sturm nur mäßigen Komfort bietet. Wir wärmen uns über eine Stunde auf. Die Seilschaft, welche wir in der direkten Polenroute gesehen haben, ist umgekehrt. Zu kalt und zu viel Wind. Die gefühlte Temperatur bei diesem Wind wird unter -30 C gelegen haben. Trotz der Kälte entschließen wir uns weiterzugehen. Den Plan von der direkten Polenroute geben wir auf und machen uns mit leichterem Gepäck auf die “FALSO POLACOS”. Hier ist zwar der Weg weiter und mühsamer, dafür kann er auch in dicker Daunenjacke mit Fäustlingen gemacht werden. Die Traferse von Camp 2 Richtung Kreuzungspunkt falsche Polenroutef/Normalweg auf 6200m zieht sich gewaltig. Wir gehen im hartgefrorenem Schnee ohne Steigeisen und kommen gut voran. Auch die Sonne wärmt uns inzwischen und der nervige Wind ist nur noch ein Lüftchen. Der Rucksack wird auf 6250m deponiert mit den inzwischen zu warmen Daunenjacken und Fäustlingen. Wir lassen alles schwere zurück. Durch das lange Warten in Camp 2 sind wir spät dran und setzen alles auf eine Karte. Nur essen und trinken mitnehmen, wenns kälter wird oder der Wind auffrischt schnell umdrehen.
Auf dem Weg zu Independencia holen wir einige Leute vor uns ein. Wir wissen nicht ob sich der Wind weiter zurückhält, aber wir wollen diese letzte Chance nutzen. Es geht zügig voran, erst die lange Qürung zur Canaletta wo wir eine kurze Rast machen mit PowerGel und trinken. Die Steigeisen sind am Rucksackdepot. Es hat mehr Schnee als gedacht. Hoch geht es ja; aber wie wird das im Abstieg?



Silke bei Independencia auf 6300m 12.01.2008

 

Das Wetter ist weiter stabil und inzwischen sogar windstill. Aufgeben kommt jetzt nicht mehr in Frage. Der Canaletta strengt nochmal an. Man merkt die Höhe und die bereits zurückgelegte Strecke. Gehen, kurzes Stehenbleiben und verschnaufen wechseln sich ab, ein monotoner Trott.



Silke auf dem Weg zum Gipfel 12.01.2008

 

Plötzlich sagt der Höhenmesser: nur noch 20m. Wir sind wieder hellwach. Man nimmt die Aussicht um sich herum wahr; das tiefe dunkelblau des Himmels und die letzten Schritte zum Gipfel auf guten Felsstufen – und dann geht es nicht mehr höher.




Canaletta kurz unter dem Gipfel 12.01.2008

 

Wirklich ein überwältigender Moment wenn es nicht mehr höher geht, wenn man auf alles herunterschauen kann und auch nicht mehr weiter laufen muss.


Jetzt steht nur noch das Photoshooting mit Gipfelkreuz an.

Silke und Christian auf dem Dach Suedamerikas 12.01.2008

 

Wir telefonieren nach Hause über das Satellitentelefon und freuen uns einfach. Es ist ca. 17:00 Uhr und wir sind einige Zeit alleine am Gipfel bei Windstille auf fast 7000m und es ist sogar warm.



Silke nimmt vom Gipfel Kontakt mit der Heimat auf 12.01.2008

 

Dann machen auch wir uns an den Abstieg. Wir begegnen noch einer rumänischen 2-Gruppe die sich noch bis zum Gipfel hoch kämpfen möchte. Wir kommen im Abstieg sehr schnell voran; die fehlenden Steigeisen sind ein Vorteil, da wir so oft ins Geröll ausweichen können. Der Schnee ist durch die Sonne auch weicher. So geht es auch an diesen Passagen einfach.

 


Silke im Abstieg auf 6500m 12.01.2008

 

Im Flachstück kurz vor Independencia sehen wir vor uns einen einzelnen langsam schwankend laufen. Wir sprechen den Mann an, es ist ein Brite, der in Italien lebt, er sei nur sehr müde meint er. Wir begleiten ihn bis kurz unter Independencia und weisen ihm den Weg zu “Berlin”, da er sonst fälschlicherweise nach Camp 2 der falschen Polenroute abgestiegen wäre. Etwas Sorgen machen wir uns schon, ob er heil unten ankommt, aber wir müssen hier abbiegen und traversieren zu Camp 2 hinunter, packen dort unsere Klettersachen in den Rucksack und steigen weiter ab zu unserem gemütlichen Zelt und den warmen Schlafsäcken im “Col Estefan”.

Erschöpft verstauen wir unseren Rucksack und schlüpfen in die Schlafsäcke. An Einschlafen ist trotzdem noch nicht zu denken, zu aufgewühlt sind unsere Gedanken und wir bereden den vergangenen ereignisreichen Tag in allen Einzelheiten. Der Wind frischt auch wieder auf und es wird wieder eine stürmische Nacht.

 


Silke auf einem neuen Weg zwischen Plaza Argentina und Plaza Francia 14.01.2008

 


Christian im Abstieg zu Plaza Francia 14.01.2008

 


Christian faehrt fast 800m Geroellfeld ab 14.01.2008

 


Letzter Blick auf die 3000m hohe Aconcagua Suedwand 14.01.2008

 


Letzte Penitentes auf dem Weg zwischen Confluencia und Plaza Francia 14.01.2008



Silke auf der Haengebruecke am Parkausgang bei Horcones 14.01.2008

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